Veranstaltungen - 08.05.2015 - 00:00

Wege jenseits der gläsernen Decke

Das 45. St. Gallen Symposium hat zu drei öffentlichen Podien in der Bibliothek eingeladen. Drei junge Unternehmerinnen aus Japan, Russland und UK gaben Einblick in ihren Berufsalltag und sprachen über ihre Erfahrungen als Entrepreneurs.

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7. Mai 2015. Alice Bentinck war Mitgründerin von Entrepreneur First (EF), einer frühen Anschubkapital- und Gründungsorganisation zur Förderung, Unterstützung und Ausbildung hochkarätiger technischer Talente Europas mit dem Zweck, diese mit den Umständen der Gründungswelt vertraut zu machen, sowie von «Code First: Girls», einer Vereinigung, die kostenlose Kurse und Veranstaltungen anbietet, die jungen Frauen beim Erlernen der Grundlagen der Webentwicklung, der Kodierung und des Unternehmertums behilflich ist. Im Zusammenhang mit der EF bemerkte Bentinck, dass sich diese Firma innert kürzester Zeit zur einer der grössten Anbieterinnen von Talenten im Gründungsbereich gemausert habe.

Bei «Code First: Girls» wird die Frage gestellt, weshalb nicht mehr Frauen in Technologie und Unternehmertum tätig sind. Einer der Aspekte, die Bentinck zu verändern hofft, ist nicht nur die Anzahl Frauen in diesen Bereichen, aber ihre Haltung dazu. «Es geht nicht nur um ein Interesse an der Technologie, sondern darum, Vertrauen aufzubauen und die Haltungen zu verändern.» Und während sich die EF zur Zeit zwar mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert sieht, wird sie «nächstes Jahr die grösste Produzentin von Firmengründungen sein.»

Gulnaz Khusainova kam in Russland zur Welt und wohnt in Kopenhagen. Sie ist Gründerin und CEO vieler Jungfirmen, einschliesslich «EasySize», einer Dienstleistungsunternehmung, die Online-Shops bei der treffsicheren Bestimmung der Grösse ihrer Online-Kunden zur Verringerung von Rücksendungen unterstützt und eine bessere Konsumentenerfahrung vermittelt. Sie fand, dass viele Unternehmerinnen denselben Herausforderungen gegenüberstehen wie sie selbst. «Es gibt viele Stereotypen. Die Leute nehmen einfach an, was man kann und was nicht.»

«Aber wo ist Ihr Techniker?»

Infolge dieser Hindernisse ist sie der Meinung, dass Unternehmerinnen mehr Arbeit leisten müssen. «Auch habe ich bemerkt, dass ich als Alleingründerin die ganze Zeit gefragt werde: „Aber wo ist Ihr Techniker?“ Als Unternehmerin verwendet man viel Zeit darauf, den Leuten zu beweisen, dass man das selbst kann.»

Laurie Currie aus dem Vereinigten Königreich bezog eine weitere Perspektive in die Gleichung ein. «Als junge Unternehmerin spürte ich, dass altershalbe Diskriminierung ein grösseres Problem war als Sexismus.» Currie ist Mitgründerin von Snook, Schottlands führender Service Design Agency und war kürzlich eine der 35 britischen Top-Geschäftsfrauen unter 35. Heute ist sie Programm-Managerin bei Hyper Island.

Stereotypen schaffen Probleme

Currie erwähnte, dass sie gefragt wird, ob ihre Gesellschaften anders geartet wären, wenn sie ein Mann wäre, und sie antwortete: «Diese Frage ist mir vielfach gestellt worden, und das macht mich wirklich traurig. Die Tatsache, dass diese Frage immer noch gestellt wird, ist das Problem. Einem Mann würde diese Frage nie gestellt.»

Der Moderator der Diskussion, Peter Day von der BBC, fragte Currie, ob sie glaube, erfolgreicher zu sein, wenn sie ein Mann wäre, und Currie antwortete indigniert: «Das ist eine grauenhafte Frage. Ich glaube, die Frage sollte lauten… wie leicht es ist, unternehmerisch tätig zu sein. Unternehmerisch tätige Leute sind Menschen.»

Nachdem Miku Hirano zuvor mit zwei Gründungen in Japan Erfolg hatte, ist sie jetzt CEO von Cinnamon in Singapur. Hirano fühlt, dass es in ihrem Heimatland Japan einen Gender-Bias gibt und es sich dabei um einen Gender-Bias gegen Frauen im Geschäftsleben im Allgemeinen handeln könnte, meint indes: «Wenn du in einem Land mit einem Gender-Bias gegen Frauen wohnst und eine Frau bist, dann solltest du Unternehmerin sein. Du musst hart arbeiten, aber du bist mit keinen Problemen konfrontiert, weil, wenn du dir ein Grossunternehmen ansiehst… dann könntest du mehr Probleme haben.»

Hiranos Ansichten schienen auf die anderen Diskussionsteilnehmer inspirierend zu wirken, und die Diskussion wandte sich von den Schwierigkeiten von Jungunternehmerinnen ab, um sich darauf zu konzentrieren, wie Unternehmerinnen die Dinge verändern könnten.

Bentinck stellte fest, dass man als Gründerin eine eigene Mutterschaftspolitik diktieren könne.

Currie ist hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Berufs- und Privatleben der Meinung, dass man zwar nicht jeden Tag rund um die Uhr arbeiten, jedoch Wohltätigkeitsorganisationen gründen und Stiftungen errichten könne.

Hiranos Abschiedsworte waren an alle – und insbesondere Studierende – gerichtet, die sich mit der Absicht einer Firmengründung tragen. «Falls Sie daran denken, eine Firma zu gründen, dann machen Sie das gerade jetzt.»

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