Veranstaltungen - 21.03.2019 - 00:00 

Hyperloop: Mit über 1000 km/h in der Hightech-Kapsel unterwegs

Dirk Ahlborn will mit seinem Projekt «Hyperloop» die Zukunft der Mobilität revolutionieren. Die Vision: Hightech-Kapseln befördern Menschen mit über 1000 km/h durch Niederdruckröhren und zwar umweltfreundlicher, schneller und günstiger als jedes andere Transportmittel. Am Mittwoch stellte der gebürtige Berliner sein futuristisches Transportsystem im Audimax der HSG vor.
Quelle: HSG Newsroom

21. März 2019. Passagiere und Frachtkapseln schweben durch ein Netzwerk von Röhren zwischen Städten und wandeln die Fahrzeit von Stunden zu Minuten: Das ist die Idee von Hyperloop. «Nach Zug, Auto, U-Bahn und Flugzeug brauchen wir dringend ein fünftes Transportmittel, das die Verkehrsprobleme unserer Welt löst», erklärte Dirk Ahlborn und verwies auf Städte wie Los Angeles, wo der Verkehrskollaps bereits Wirklichkeit ist oder Städte wie Peking, in denen der Smog den Menschen das Leben schwermacht.

Alle 40 Sekunden eine Kapsel

Laut dem Gründer und CEO von Hyperloop Transportation Technologies sind die Kapseln so konstruiert und designt, dass sie eine sichere und harmonische Umgebung für die Passagiere schaffen, mit individuellem Innenraum für anwendungsbezogene Erlebnisse. Jede Kapsel ist 30 Meter lang und kann 28 bis 40 Reisende befördern. Das System erlaubt es, alle vierzig Sekunden eine Kapselabfahrt zu starten und eine Höchstgeschwindigkeit von 1223 km/h zu erreichen. «Auf einer Linie mit voller Effizienz können wir so täglich 164’000 Menschen befördern.» Eine Strecke von Los Angeles nach San Francisco würde beispielsweise 36 Minuten dauern.

Eine Vision wird Wirklichkeit

Als er sein Unternehmen gegründet habe, hätten alle gesagt, seine Vision sei niemals zu verwirklichen, betonte Dirk Ahlborn. Fakt aber sei, dass in etwa drei Jahren in Abu Dhabi und China die ersten Hyperloop-Strecken in Betrieb sein werden. Sie werden vorerst fünf bis zehn Meter lang sein. Ein grosses Problem sei, dass es sich um ein vollkommen neues Transportsystem handle. «Weil es kein Zug und keine U-Bahn ist, müssen wir ein völlig neues Streckennetz und einen neuen Regulierungssatz erstellen.»

Kluge Köpfe begeistern

Um ein Projekt wie Hyperloop voranzutreiben, brauche es nicht in erster Linie Geld, sondern vor allem kluge Köpfe, die von einer Idee begeistert seien, erklärte Dirk Ahlborn weiter. «Wir sind mehr als ein Unternehmen. Wir haben eine Bewegung in Gang gebracht.» Er setzte deshalb konsequent auf Crowdsourcing und weltweite Kollaboration und zog damit die Aufmerksamkeit zahlreicher Investoren und Fachleute auf sich.

Heute verfügt Dirk Ahlborn mit seinem Unternehmen über 800 Mitarbeiter, mehr als 40 Kooperations-Unternehmen und eine Community mit etwa 300’000 Menschen. Forschende aus aller Welt versorgen ihn mit wichtigen Erkenntnissen, von interessierten Firmen erhält er wertvolle Kontakte und talentierte Uni-Absolventinnen und -Absolventen bringen ihr Engagement in sein Unternehmen ein. Die Kollaboration sei durch die digitale Zusammenarbeit bestens möglich. «Ich kann mit dem talentiertesten Designer oder dem begnadetsten Ingenieur arbeiten, ganz gleich, wo auf der Welt er oder sie sich befindet.»

Etwas in der Welt verändern

In einem zweiten Teil diskutierte HSG-Alumnus Christoph Magnussen, Gründer und CEO der Blackboat Internet GmbH, mit dem Unternehmer über seinen Werdegang und seine Motivation, die Mobilität zu revolutionieren. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erfuhren, dass der 1976 geborene Berliner mit 19 Jahren seine Arbeitsstelle bei der Bank kündigte. «Ich wollte nicht die übliche Karriere machen, sondern frei sein, um in der Welt etwas verändern zu können.» Lange lebte er in Italien und arbeitete in diversen Branchen. Schliesslich zog es ihn nach Kalifornien, wo er 2013 die Hyperloop Transportation Technologies (HTT) gründete. Die Firma ging aus JumpStartFund hervor, einer von Dirk Ahlborn betriebenen Internetplattform für neue Geschäftsideen und Projekte. Heute lebt und arbeitet der gelernte Bankkaufmann in Kalifornien.

Vorteil: Energiebilanz

Im Gespräch mit Christoph Magnussen zeigte sich Dirk Ahlborn überzeugt, dass der Vorteil des Hyperloops nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Energiebilanz ist. Die modernen Energiequellen produzierten mehr Energie, als verbraucht werde. «So könnte beispielsweise Solarstrom, der durch Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach der Hyperloop-Röhren produziert wird und nicht für den Betrieb des Zugs gebraucht wird, verkauft werden.» Er nannte noch mehr Ideen für Einnahmequellen wie beispielsweise spezielle Fenster durch die Passagiere während der Fahrt in andere Welten eintauchen könnten. Das eigentliche Ticket für die Fahrt in der Kapsel würde nach den Vorstellungen von Dirk Ahlborn sehr günstig oder sogar gratis sein.

Die gut besuchte Veranstaltung im Audimax hatte ISC@HSG im Vorfeld des 49. St.Gallen Symposiums organisiert. Eingeladen waren die Studierenden der HSG, aber auch die St.Galler Öffentlichkeit. Das St.Gallen Symposium wird vom 8. bis 10. Mai 2019 an der Universität St.Gallen stattfinden.

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