Forschung - 17.09.2015 - 00:00

GemeinwohlAtlas Schweiz

Welchen Beitrag leisten Organisationen und Unternehmen zum Wohlergehen der Schweizer Gesellschaft? HSG-Forschende haben mehr als 5000 Personen in der Deutschschweiz zu 117 Organisationen befragt. Die Ergebnisse zeigt der GemeinwohlAtlas online unter www.gemeinwohl.ch.<br/>

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21. September 2015. Was tragen einzelne Firmen, öffentliche Institutionen oder NGOs zum Gemeinwohl in der Schweiz bei? Dieser Frage geht der GemeinwohlAtlas auf den Grund. Das Center for Leadership and Values in Society (CLVS-HSG) an der Universität St.Gallen hat eine repräsentative Befragung mit mehr als 5000 Personen in der deutschsprachigen Schweiz durchgeführt. Die Neuauflage des Atlas zeigt, wie 117 (Vorjahr: 62) Organisationen in der Schweiz und ein Teil davon speziell im Kanton St.Gallen wahrgenommen werden.

Wie im Vorjahr zeigen sich zwei Drittel der Befragten besorgt, dass dem Thema in der Schweiz zu wenig Beachtung geschenkt wird. Vier von fünf Befragten geben dabei an, eine klare Vorstellung davon zu haben, was unter Gemeinwohl zu verstehen ist. Genauso viele sehen die Orientierung am Gemeinwohl für den langfristigen Unternehmenserfolg als entscheidend an.

Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlergehen

In der jüngsten Umfrage hat das Team um Prof. Dr. Timo Meynhardt und Prof. em. Dr. Peter Gomez zunächst die grössten und bedeutendsten Organisationen der Schweiz ermittelt. Auf Basis von Expertengesprächen wurden zusätzlich regional relevante Organisationen im Kanton St.Gallen ausgewählt. Ergänzend dazu haben die Forschenden schliesslich internationale Unternehmen und wichtige Organisationen ausserhalb der Wirtschaft einbezogen. Für all diese Organisationen und Unternehmen hat das Projektteam die Bekanntheit in der Bevölkerung ermittelt – nur jene mit einer entsprechend hohen Bekanntheit wurden ausgewählt.

In einer zweiten Datenerhebung haben die Studienteilnehmer mit Hilfe eines Online-Fragebogens den Gemeinwohlbeitrag der ausgewählten 117 Institutionen beurteilt. Davon sind 102 (inter-)nationale Organisationen, 15 Unternehmen sind im Kanton St.Gallen angesiedelt. Zu den Kriterien gehörten die Aufgabenerfüllung, der Beitrag der Organisation zur Lebensqualität, die moralische Qualität des Geschäftsgebarens sowie der Beitrag zum Zusammenhalt der Schweiz. Die zehn überregionalen Organisationen mit dem höchsten Gemeinwohlbeitrag sind:

  • Spitex
  • Rega
  • Migros
  • Schweizerisches Rotes Kreuz
  • Suva
  • SBB
  • AHV/IV
  • Reka
  • Coop
  • Bundesamt für Polizei

Die vollständige Liste aller untersuchten Unternehmen und Organisationen ist auf der Website www.gemeinwohl.ch einzusehen. Dort finden sich auch Erklärungen zu Methodik und wissenschaftlichem Bezugsrahmen des GemeinwohlAtlas.

Die Ergebnisse der für die Deutschschweiz bevölkerungsrepräsentativen Studie zeigen:

  • Der Grossteil der Organisationen erhält hier ein grosses Kompliment. In den Augen der Mehrheit der Befragten leisten die Unternehmen und Organisationen einen stabilen Beitrag zum Gemeinwohl.
  • In der Spitzengruppe liegen wiederum vor allem öffentliche oder genossenschaftlich organisierte oder gemeinnützige Organisationen mit Schweizer Hintergrund. Ganz vorn platziert sind Spitex, Rega und Migros.
  • Ein geringer Gemeinwohlbeitrag wird Schweizer Banken und ausländischen Unternehmen zugesprochen. Dies betrifft zum Beispiel auch McDonalds, Facebook und Amazon – alles Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen bei den meisten von uns im Alltag eine wichtige Rolle spielen.
  • Abgesehen von den «Newcomern» im Atlas, wie Spitex und Rega, gibt es keine Organisation, welche besonders zulegen konnte; wohl aber einige, die 2015 deutlich kritischer gesehen werden. Dazu gehören insbesondere: Sika, AMAG, SRF und Kuoni. Etwas nachgegeben hat auch die Reka, welche aber immer noch einen Spitzenplatz belegt.
  • Aus Arbeitgebersicht dürfte für alle Organisationen interessant sein, dass vier von fünf Befragten tendenziell bereit sind, auch Gehaltseinbussen in Kauf zu nehmen, um in einer Organisation zu arbeiten, die das Gemeinwohl hochhält.
  • Hinzu kommt die Konsumentensicht: Offensichtlich würde eine Gemeinwohlorientierung auch beim Einkaufen zum Tragen kommen. So geben 84% der Befragten an, gemeinwohlförderliche Produkte zu bevorzugen und dafür tendenziell mehr ausgeben zu wollen (16% sogar mehr als 10% mehr).

«Es steht ausser Frage, dass in der Bevölkerung ein gutes Gespür und eine hohe Sensibilität für Gemeinwohlfragen vorhanden sind. In Zeiten hoher Verunsicherung sind Organisationen daher gut beraten, sich mit dem eigenen Beitrag zum Gemeinwohl zu beschäftigen. Hier bietet der Atlas einen guten Einstieg», sagt Projektleiter Timo Meynhardt.

Blick auf Organisationen im Kanton St.Gallen

Aus der Untersuchung im Kanton St.Gallen ist ein separater Atlas entstanden, in dem 15 Organisationen im Kanton von insgesamt 1288 Personen bewertet wurden. Sehr gut bewertet wird das Kantonsspital St.Gallen, welches im letzten Jahr noch nicht im Atlas vertreten war. Ein besonders starker Newcomer im St.Galler Atlas ist die Ortsbürgergemeinde, die auf Platz 2 gelandet ist. Auch der Zugbauer Stadler Rail wurde gut bewertet (Platz 3), gefolgt von der Regierung des Kantons St.Gallen, der Universität St.Gallen (HSG), der Fachhochschule St.Gallen, dem WWF St.Gallen, Bühler, Schützengarten und dem RAV.

Eine ebenso umfangreiche Studie wurde in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse werden am 30. Oktober 2015 unter www.gemeinwohlatlas.de veröffentlicht.

Bild: Photocase / zettberlin

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