Veranstaltungen - 29.03.2011 - 00:00 

Europas soziales Kapital

Welches Potential steckt in Europas Kulturmosaik? Darüber diskutierten Studierende mit Physik-Nobelpreisträger Heinrich Rohrer sowie Ökonomie-Nobelpreisträger Sir James Alexander Mirrlees am 28. März 2011.
Quelle: HSG Newsroom

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29. März 2011. «Wie können wir das versteckte Potential, das in der Vielfalt der europäischen Gesellschaft steckt, wecken und für ein friedliches Zusammenleben nutzen?» Dies war die Ausgangsfrage der Veranstaltung «Challenge the Best», welche die Studentenschaft der HSG zum zweiten Mal in Folge organisierte. 40 Studierende von 29 Universitäten aus 18 verschiedenen europäischen Ländern kamen an die Konferenz, um mit zwei Nobelpreisträgern und weiteren Persönlichkeiten über neue Wege des Zusammenlebens in Europa zu diskutieren.

Vertrauen als Grundlage für Europas «soziales Kapital»

«Wissen ist die einzige nachwachsende Ressource in Europa, über die wir verfügen», sagte Ambassador Walter Fust während der Eröffnung der Konferenz. «Es ist wichtiger, wen man kennt und wem man vertrauen kann, als was man weiss», betonte Lewis Feldstein. Gemeinschaft und Loyalität seien die Wurzel des «sozialen Kapitals» einer Gesellschaft, erklärte der amerikanische NGO-Gründer und ehemalige Präsident der New Hampshire Charitable Foundation. Jede Gesellschaft benötige einen gemeinschaftlichen Überbau, um aus der Vielfalt Nutzen zu ziehen.

Identität im Schmelztiegel Europa

«Europa war schon immer ein Schmelztiegel der Kulturen», sagte die deutsch-türkische Autorin und Integrationsexpertin Lale Akgün. Geboren in der Türkei, lebt sie seit bald 50 Jahren in Deutschland. Bis 2009 war sie sieben Jahre lang Mitglied des deutschen Bundestags. Identität hänge vielmehr von der Persönlichkeit und dem individuellen Charakter eines Menschen ab als von der Nationalität, betonte Akgün. Dass Diversität auch in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht «ein Muss ist, keine Option», zeigte Dr. Eberhard von Koerber, Co-Präsident des Club of Rome am Beispiel des Unternehmens ABB. Nach der Wende integrierte die Firma in den 90er Jahren rund 30ʹ000 Mitarbeitende aus den ehemaligen Ostblockstaaten in ihre Unternehmenskultur.

Wissenschaftliche Gemeinschaft als Vorbild

Physik-Nobelpreisträger (1986) Professor Heinrich Rohrer machte den Wert von Diversität am Beispiel der Gemeinschaft Forschender deutlich. . «Die Wissenschaft erkannte schon früh, dass eine Person, die qualitativ hochstehende Wissenschaft zu bieten hat, in der globalen «Scientific Community»  willkommen ist», sagte Rohrer. Er glaube, dass Europa mit seinen Verschiedenartigkeiten zu Rande kommen muss, ohne sie jedoch abzuschaffen, fügte er an. «Ich glaube an die Verschiedenartig-keit in der Kultur, nicht die Verschiedenartigkeit von Kulturen», sagte Wirtschaftsnobelpreisträger (1996) Sir James Mirrlees . « Menschen sollen Zugang zu sehr verschiedenartigen Kulturen haben. Ich möchte, dass die Menschen ihre Normen wählen können, aber ich bin nicht dafür, dass sich die Menschen in ausschlaggebender Hinsicht als Mitglieder verschiedener Kulturen definieren.»

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