Campus - 17.09.2020 - 00:00 

Ein Austausch zwischen den Generationen – das Mentoring-Programm der HSG

Wie bereite ich mich am besten auf ein Bewerbungsgespräch vor? Was kann ich tun, um an meinen Präsentationsskills zu arbeiten? Oder womit finde ich einen guten Ausgleich zum Unialltag? Während des Studiums begenen Studierende vielen neuen Herausforderungen. Um sich diesen erfolgreich zu stellen, kann es von Vorteil sei, sich eine helfende Hand zu suchen. Genau da möchte das Mentoring-Programm Studierenden unter die Arme greifen und ihnen mit erfahrenen Personen Unterstützung bieten. Von Studentenreporterin Anna Kati Schreiter.

16. September 2020. Wenn die Semesterferien vorbei sind, sich der Sommer allmählich dem Ende zuneigt und sich der St.Galler Rosenberg wieder nach und nach mit Leben füllt, ist es soweit – ein neues Herbststemester an der HSG beginnt. Mit diesem Start in ein weiteres Kapitel der akademischen Laufbahn entgegnen die Studierenden neuen Eindrücken, spannenden Erkenntnissen, aber auch Herausforderungen, die mit Berg- und Talfahrten einhergehen können. Dabei ist die Vielzahl an Möglichkeiten und der gleichzeitige Leistungsdruck in der heutigen Zeit dauerhaft präsent. Auch deshalb, weil dieses Thema allgegenwärtig ist und man bekanntlich viele Dinge im Nachhinein besser weiss, möchte die Uni mit ihrem Mentoring-Programm vor allem Studierenden eine Unterstützung durch Erfahrene bieten.

Seit über 18 Jahren Austausch zwischen Mentees und MentorInnen

Das Mentoring-Programm der HSG bringt bereits seit über 18 Jahren Mentees und MentorInnen zusammen, um den Austausch zwischen Studierenden auf Bachelor-, Master- sowie Doktoratsstufe und Personen aus der Arbeitswelt zu fördern. Dabei strebt das Programm vordergründlich eine berufliche als auch persönliche Weiterentwicklung der Mentees an, wobei die Ziele und Schwerpunkte des zweijährigen Mentoring individuell zwischen den Tandems vereinbart werden.

Als Kooperation der HSG mit HSG Alumni werden aktuell über 500 MentorInnen für das Programm gewonnen, wobei über 80 Prozent Alumnae und Alumni der Universität St.Gallen sind. Da die Nachfrage in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist und über dem Angebot liegt, betreuen einige MentorInnen sogar mehrere Mentees während des Studiums.

 

 

 

 

Wir sind stolz darauf, dass wir den Studierenden der HSG eine solche Betreuungsmöglichkeit bieten können und sich unsere Mentorinnen und Mentoren die Zeit nehmen und ehrenamtlich engagieren, Studierende auf ihrem ganz persönlichen Weg zu begleiten.

 

 

 

 

 

Carolin König, Leiterin Mentoring-Programm

 

 

 

 

Mentoring-Programm 2020

In den ersten beiden Vorlesungswochen des Herbstsemesters haben die Studierenden Zeit, sich für das Mentoring-Programm zu bewerben und eine erste Vorauswahl für MentorInnen zu treffen. Nach der Bewerbungsphase findet die Zuteilung der Mentoring-Tandems durch das Mentoring-Team der HSG statt. Dabei erfolgt das Matching auf einer individuellen Basis mit Unterstützung einer Matching-Software, um den gegenseitigen Erwartungshaltungen von Mentee und MentorIn möglichst gerecht zu werden. Im November beginnt die offizielle Mentoring-Beziehung mit der für Mentees obligatorischen Auftaktveranstaltung an der HSG. Wie die kommende Zusammenarbeit im Tandem erfolgen soll, wird in einem ersten persönlichen Gespräch oder in einer schriftlichen Mentoring-Vereinbarung festgehalten. Lediglich der semesterliche Bericht an MentorIn und Programmleitung stellt eine Verpflichtung seitens der oder des Mentee dar. Dieser Bericht soll als Grundlage für ein anschliessendes Semestergespräch dienen. Zur weiteren Unterstützung veranstaltet die Programmleitung freiwillige Workshops, welche Mentees, aber auch MentorInnen dabei helfen sollen, eine erfolgreiche Mentoring-Beziehung zu gestalten.

Aktuelle Herausforderungen bewältigen

Carolin König findet es faszinierend, «wie individuell die unterschiedlichen Mentoring-Beziehungen verlaufen.» So beschäftigen sich junge Bachelorstudierende eher mit Fragen, wie sie zum Beispiel ein interessantes Praktikum finden oder wie sie sich am besten auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten. Masterstudierende hingegen suchen eher Unterstützung bezüglich Fragen zum Berufseinstieg nach dem baldigen Abschluss.

Die Mentoring-Beziehung kann dem Mentee helfen, aktuelle Herausforderungen zu bewältigen – sei es die Überarbeitung des CV, gedankliche Inputs zur Bachelor- oder Masterarbeit, Unterstützung beim Weiterentwickeln von Präsentationsskills oder das Simulieren eines fiktiven Bewerbungsgesprächs. Dabei geben die MentorInnen ihre wertvolle, individuelle Erfahrung an die jüngeren Generationen weiter, um diese auf ihrem persönlichen Weg zu unterstützen.

 

 

 

 

Die interessanten Mentoring-Gespräche eröffnen mir neue Perspektiven und Sichtweisen sowohl auf Themen des Unialltags als auch auf meine zukünftige Karriereplanung. So konnte ich beispielsweise meine Mentorin während einer ganzen Woche bei ihrer Arbeit begleiten und erhielt so einen Einblick in die praktische Tätigkeit einer Anwältin.

 

 

 

 

 

Sarah Olsen, Rechts-Studentin und Mentee im Mentoring-Programm

 

 

 

 

MentorInnen übernehmen soziale Verantwortung

Dass das Programm nicht nur einen Mehrwert für die Studierenden stiftet, lässt sich daran festmachen, dass einige Tandems die Beziehung auch nach den zwei Jahren auf freiwilliger Basis im privaten Rahmen weiterführen. MentorInnen kommen in den direkten Kontakt zu ambitionierten, jungen Menschen, die motiviert sind, die Zukunft zu gestalten. Somit können sie ihr persönliches Netzwerk um Nachwuchstalente, aber auch um andere MentorInnen bei Workshops oder Jahrestreffen erweitern. Gleichzeitig übernehmen sie soziale Verantwortung und begenen dabei vielleicht sogar eignenen, persönlichen Herausforderungen.

 

 

 

 

Den grössten Nutzen ziehe ich daraus, wenn ich sehe, dass sich mein Mentee gut entwickelt und sich wohl in seiner Haut fühlt. […] Mir bereitet es Freude, junge, aufstrebende Studierende zu unterstützen und im Gegenzug ist es durchaus ein grosser Gewinn, Augen und Ohren offen zu halten und Jüngere zu Wort kommen zu lassen.

 

 

 

 

 

Dr. Gabriele Weiher, Mentorin im Mentoring-Programm

 

 

 

 

Nicht selten, so Carolin König, sind es ehemalige Mentees selbst, die sich nun als MentorIn zur Verfügung stellen, da sie der Uni und dem Programm etwas zurückgeben wollen. So werden wertvolle Erfahrungen an die Jüngeren weitergegeben und gehen nicht verloren.

Anna Kati Schreiter studiert Betriebswirtschaftslehre im fünften Semester an der Universität St.Gallen.

Bild: Mentoring-Programm

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