Forschung - 30.08.2021 - 00:00

Bericht zur Grenzregion Ostschweiz vor und während der Covid-19-Pandemie

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die bestehenden regionalen Wirtschaftsstrukturen wurden beim Krisenmanagement zu wenig beachtet. Dies ist eine von drei Schlussfolgerungen eines Berichts der Universität St.Gallen und der Fachhochschule Graubünden, welche dieser im Auftrag der Ostschweizer Regierungskonferenz ORK erstellt haben. Die Studienverfasser empfehlen, das Bewusstsein für die Grenzregion Ostschweiz auf nationaler Ebene zu stärken.

 

30. August 2021. Die Art und Weise, wie die betroffenen Länder die Krise zu bewältigen versuchten, unterschied sich im untersuchten Zeitraum stark. Dass in den Regionen der einzelnen Länder unterschiedliche Massnahmen galten, wirkte auf verschiedene (Wirtschafts-)bereiche hemmend, wie der Bericht der Universität St.Gallen und der Fachhochschule Graubünden zeigt. Deutlich wird dies am Beispiel des Tourismus oder beim grenzüberschreitenden Einkauf. Hier zeigen die Daten, dass der grenzüberschreitende Konsum und Tourismus während der Grenzschliessung deutlich zurückgegangen ist.
 

Weniger stark betroffen waren die grenzüberschreitenden Lieferketten der Industrie und des Gewerbes. Diese waren nur für kurze Zeit erschwert und pendelten sich rasch wieder ein. Allerdings zeigt der Bericht, dass der internationale Handel der Ostschweiz stärker unter der Covid-19-Pandemie und den entsprechenden Massnahmen litt, als jener anderer Grenzregionen der Schweiz. Da die Exportnachfrage tief war, wirkten sich die internationalen Verflechtungen der regionalen Wirtschaft negativ auf den Wirtschaftsstandort Ostschweiz aus.

Handlungsbedarf für die Zukunft

Der Bericht zieht drei Lehren aus der Covid-19-Pandemie im Hinblick auf die grenzüberschreitenden Beziehungen der Ostschweiz zu den Nachbarländern und -regionen: Erstens sollten die Verantwortlichen die Auswirkungen auf die regionalen Wirtschaftsstrukturen beim Krisenmanagement stärker berücksichtigen. Gleichzeitig ist es gemäss dem Bericht wichtig, dass das Bewusstsein auf nationaler Ebene für die besonderen Bedürfnisse und komplexen Vernetzungen der Grenzregionen gestärkt wird.
 

Zweitens soll die grenzüberschreitende Wirtschaft der Ostschweiz an Resilienz zunehmen. Dieses Ziel spielt in den Ostschweizer Kantonen und in den meisten Nachbarregionen eine wichtige Rolle. Werden Lieferketten stärker nationalisiert oder sogar regionalisiert, kann die grenzüberschreitenden Wirtschaftsverflechtung ausgebaut werden.
 

Drittens besteht im institutionellen Kontext der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Handlungsbedarf: Die Studienverfasser empfehlen, die nationalen Ebenen in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit einzubinden, wenn Probleme auf regionaler Ebene nicht gelöst werden können. Die Einrichtung einer grenzüberschreitenden Dialogplattform haben die Ostschweizer Kantone bereits im Rahmen der Internationalen Bodensee Konferenz IBK gefordert und dem Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA unterbreitet.

Bilateralen Weg fortführen

Der Bericht zeigt zudem, dass vor allem die wirtschaftlichen Verflechtungen insbesondere in der Ostschweiz deutlich grösser sind, als gemeinhin gedacht und dass diese zu einem Wohlstandsgewinn für den gesamten Grenzraum geführt haben. Deutschland, Österreich, Italien und das Fürstentum Liechtenstein sind wichtige Handelspartner der Ostschweiz. Diese ist mit ihren Nachbarländern deutlich enger verknüpft, als die anderen Schweizer Regionen.
 

Damit ist der Grenzraum Ostschweiz besonders auf gute und stabile Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union angewiesen. Die Ostschweizer Kantone setzen sich nach dem Scheitern der Verhandlungen über ein institutionelles Rahmenabkommen deshalb für eine rasche Klärung des weiteren Vorgehens ein.
 

Bericht «Die Ostschweiz und ihre Nachbarn. Wie Corona die grenzüberschreitenden Verflechtungen beeinflusst» ist abrufbar unter www.ork-ostschweiz.ch

 

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