Meinungen - 11.03.2015 - 00:00 

Ausbildung für Kopf, Hand und Herz

Am 18. März ist die Universität St.Gallen Gastgeberin des «Sustainable University Day 2015». Thomas Dyllick, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement an der HSG, über neue Konzepte für eine verantwortungsvolle Wirtschaftsausbildung.
Quelle: HSG Newsroom

$alt

13. März 2015. Führungskräfte von Unternehmen und Staat stehen heute unter kritischer öffentlicher Beobachtung. Ihr Verantwortungsbewusstsein wird im Gefolge der gesellschaftlichen Herausforderungen, insbesondere auch der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise, oftmals angezweifelt. Gesucht ist eine neue Form von Führung, welche den Erfolg der eigenen Organisation mit gesellschaftlichem Wohlergehen und der Bewahrung der natürlichen Umweltsysteme in Einklang zu bringen vermag. Gefordert sind hierdurch auch die Universitäten, welche Führungskräfte ausbilden.

Unter dem Begriff einer verantwortungsvollen Führung wird eine Form der Führung verstanden, welche fähig und bereit ist, komplexe und wertebasierte Entscheide nicht nur zugunsten der eigenen Organisation, sondern auch der Gesellschaft als Ganzes zu treffen. Hierbei stehen insbesondere fünf Kompetenzen im Vordergrund: Verantwortungsvolle Führungskräfte sind sich der direkten und indirekten Auswirkungen ihrer Handlungen bewusst. Sie verfügen somit über ein gutes Verständnis der Abhängigkeiten ihres und unserer Systeme. Sie sind fähig, Beziehungen zu vielfältigen Anspruchsgruppen zu bilden und aufrecht zu erhalten.

Vertieftes Verständnis der eigenen Person
Verantwortungsvolle Führungskräfte sind zudem fähig, Ideen in Taten umzusetzen, um hierdurch Veränderungen und Wandel herbei zu führen. Dies ist nur möglich, wenn sie ein ethisch begründetes und wertebasiertes Verhalten aufweisen und mit gutem Beispiel voran gehen. Und es bedarf eines vertieften Verständnisses der eigenen Person, welche in der Fähigkeit zu einer bewussten Reflexion des eigenen Denkens und Verhaltens sowie der eigenen Vorurteile und Vorlieben zum Ausdruck kommt.

Wissen – Können – Wollen
Wie aber können Universitäten zur (Aus-)Bildung verantwortungsvoller Führungskräfte beitragen? Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass Universitäten ihren Bildungsauftrag immer noch primär in der Vermittlung von Kenntnissen («Wissen») sehen, höchstens sekundär in der Vermittlung von Fähigkeiten («Können») und wenig bis gar nicht in der Vermittlung von Einstellungen («Wollen»). Für die Ausbildung verantwortungsvoller Führungskräfte sind nach Heinrich Pestalozzis Ansatz alle drei Dimensionen gefragt: Eine ganzheitliche Bildung muss Kopf, Hand und Herz ansprechen. Damit aber aus Wissen praktisches Können wird, und aus Experten handlungsfähige Akteure, bedarf es einer hinreichenden Einübung der praktischen Fähigkeiten. Und damit aus handlungsfähigen auch ethisch sensible und bewusste Akteure werden, braucht es ethisches Bewusstsein sowie ein bewusstes Einüben ethischen Verhaltens.

Erfahrungsbasiertes Lernen
Um eine bessere Balance der Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Einstellungen zu erreichen, sind Universitäten herausgefordert, ihre Lehre weiter zu entwickeln und verstärkt Methoden des erfahrungsbasierten Lernens einzusetzen. Was dies bedeutet, lässt sich wohl am einfachsten mit Konfuzius sagen: «Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun und ich werde es können.»

Ist erfahrungsbasiertes Lernen aber an einer Universität überhaupt möglich? Am «Sustainable University Day» am 18. März 2015 kommen zwei innovative Lehrkonzepte der Universität St.Gallen zur Sprache: «Collaboratories», in welchen Masterstudierende mit Praxispartnern zum Beispiel Ansätze für nachhaltigen Fleischkonsum in der Schweiz entwickeln. Oder das Lernmodul «SIMagination Challenge», in dem Masterstudierende an internationalen Entwicklungsprojekten arbeiten. Auf Seiten der Professoren bedarf es Kompetenzen, welche sehr viel stärker das Design von Lernerfahrungen betreffen sowie das Coaching von Studierenden und Teams als tiefe Kenntnisse in wissenschaftlichen Spezialdisziplinen. Auch hier ergibt sich ein Lern- und Entwicklungsbedarf.

Bild: Photocase / kallejipp

north